dies und das

20.09.2021, Montagsbriefing

210920-san-fran-fire-vehicle

Gleich zwei schwere Motorradunfälle gab es am Wochenende innerhalb von einer Stunde ganz in der Nähe von Neumarkt. Beim ersten Unfall verstarb leider der Motorradfahrer. In der Zeitung gab es einen versteckten und vermutlich kaum beachteten Hinweis bei der Berichterstattung. Die Neumarkter Feuerwehr sei nach der Niederbergkirchner Feuerwehr vor Ort gewesen. Ich habe dem zunächst keine Bedeutung beigemessen, jetzt aber von einem auswärtigen Feuerwehrler gehört, dass die Neumarkter immer ein wenig spät dran seien. Aus meiner Sicht liegt das am Standort. Bis sich die Feuerwehrautos aus dem Gewerbegebiet gequält haben und beim Kreisel Richtung Brodfurt angekommen sind, sind andere Feuerwehren schon längst auf der schnellen B299 zur Stelle. Standortnachteil: Neumarkt-Sankt Veit.

30.06.2021, Sturmschaden

210630-pauliwirt-sturmschaden

Pauli-Wirt: Werbeschild gegen Auto

Ein Windstoß war hier wohl zu viel, für Werbeschild und Automobil. Die Wetterkapriolen nehmen in ihrer Intensität zu und treten immer häufiger auf. Um Neumarkt haben Sturm und Hagel in den letzten Tagen einen Bogen gemacht. Nach dem Sankt-Florians-Prinzip atmen wir alle auf. Aber über die Versicherungen, die auch beim obigen Bild im Spiel sein werden, ist jeder von uns indirekt von jedem solchen Ereignis, das es deutschlandweit gibt, durch zwangsläufig  steigende Versicherungsbeiträge mitbetroffen. Und weil Versicherungen auch international tätig sind, erscheint der geflügelte Spruch „Was interessiert mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt“ in einem anderen Licht. Das Unheil, das uns durch die Erderwärmung blüht, trifft uns ausnahmslos alle.

09.08.2020, Bücherschrankl? Erwünscht!

200809-rotes-telefonzellen-bücherschrankerl-final

So einfach geht’s… am PC…

Auf der facebook-Seite „Du kommst aus Neumark-Sankt Veit, wenn…“ wurde das Thema Ende Juli angeschnitten, aber es endete halt – wie so oft auf den sozialen Medien – mit den üblichen Pros und Cons und verlief schließlich – ohne jede Nachhaltigkeit – im Sande. Es fehlt die notwendige seriöse Herangehensweise:

  1. Ausgangssituation
  2. Problem
  3. Lösung
  4. Umsetzung

Nichts ist somit einfacher, als das Thema spruchreif zu konkretisieren und zu Ende zu denken. Gehen wir die Sache an.

Ausgangssituation/Problem: In unseren Wohnungen stapeln sich Millionen von Büchern. Wir sind alle zögerlich, diese Bücher einfach so zu entsorgen. Ein Bücherschrankl wäre die Lösung. Aufstellplatz sollte natürlich der Stadtplatz sein und zwar dort, wo die Telefonzelle früher auch stand (siehe Bild). Die treibende Kraft könnte Stadtrat Peter Hobmeier sein. Als Stadtrat könnte er die Sache ins Plenum einbringen. Und als Mitarbeiter der Deutschen Post ist es für ihn wahrscheinlich eine leichte Fingerübung, eine alte, aber gut erhaltene Telefonzelle zu organisieren. Der Bauhof befestigt die Zelle dann mit vier mächtigen Schrauben im Untergrund, denn man weiß ja nie, zu was unsere lustigen Mitbewohner nachts so fähig sind. Die Deutsche Post macht als Werbung einen dicken, fetten Aufkleber drauf und bezahlt dafür das Innenleben in Form eines Holzregals (Ikea: 50 Euro). Ich selbst würde noch eine Feuerschale organisieren und neben dem Bücherschrankl aufstellen – mit gehörigem Sicherheitsabstand natürlich – und würde mich zumindest um die Fälle kümmern, wenn ein schräger Neumarkter gänzlich über das Ziel hinausschießt und Das Kommunistische Manifest oder Mein Kampf ablegt (beides qualitativ der gleiche geschichtliche Dreck). Deshalb die Feuerschale. Historisch bedingt müssen wir mit dem Tatbestand der Bücherverbrennung äußerst vorsichtig umgehen. Aber mit etwas Zivil-Courage stehen wir die unausweichliche BILD-Berichterstattung dann schon durch.

Für die nicht so eindeutigen Fälle empfehle ich die Einrichtung eines literarischen Quartetts. So lange die Stadtplatzsanierung noch nicht durch ist, trifft es sich beim Simsek oder beim Windhager. Eines der beiden Cafés könnte sich somit in Literatur-Café umbenennen. Nach der Stadtplatzsanierung wird das Event natürlich – zuschauerbedingt – in eine Verweiloase verlegt. Als Mitglieder bieten sich folgende Neumarkter gradezu an: Heinz H. und Irmi E. Über alle anderen Positionen müssen wir diskutieren. Ist das vernichtende Urteil über ein Buch im Bücherschrankl gefällt, stehe ich dann wieder parat, um die Feuerschale zu bedienen.

Versetzen wir uns eben noch in die notorischen Bedenkenträger und beantworten deren Fragen gleich mit.

  1. Ist ein Bücherschrankl eine Konkurrenz zur Bücherei? Natürlich nicht. Aber einen Vorteil hat das Schrankl in der Tat. Die Verfügbarkeit ist 24×7=168 Stunden pro Woche, da kann die Bücherei mit ihren 18 Stunden (verteilt von Dienstag Nachmittag bis Samstag Vormittag) nicht mithalten.
  2. Gibt es ein Versicherungsproblem? Sehe ich nicht. Von dem Schrankl geht keine Gefahr aus, außer man klemmt sich an der Tür die Finger ein. Das gehört aber zum allgemeinen Lebensrisiko bei der Benutzung von Türen.
  3. Gibt es ein Vandalismus-Problem? In der Tat. Unsere Adorno-Freunde könnten wieder aktiv werden. Damit müssen wir leben.
  4. Kann man die Telefonzelle abfackeln? Ja, kann man. Aber wir haben den längeren Atem. Wir bauen das dann einfach neu wieder auf. Einfache Aufgabe im Vergleich zu dem Problem, das Beirut grade hat.
  5. Gibt es ein Investitionsproblem? Angesichts der Millionenbeträge für die Stadtplatzsanierung und den oberen Vormarkt sicherlich nicht. Ich denke, es sollte sogar für eine Beleuchtung reichen.
  6. Gibt es ein Problem mit Wartung und Pflege? Da kann ich mir gut vorstellen, dass sich einige Neumarkter dafür begeistern würden, die Patenschaft zu übernehmen.
  7. Stellt so ein Schrankl eine Gefahr für Kinder dar? Diese Frage muss eindeutig mit ja beantwortet werden. Einige Kids, Jugendliche und junge Erwachsene könnten nach dem Anblick von Romanen verwirrt nach Hause kommen und ihren Eltern gezielt die Frage stellen, was denn bitteschön ein Roman sei? So etwas sei ihnen schließlich auf der Playstation noch nie begegnet. Das würde dann einige bildungsferne Neumarkter Familien in große Not bringen. Hier braucht es dann auf jeden Fall eine begleitende psychosomatische Hilfe. In unserem Fall gibt es – wie gesagt – das literarische Quartett, dass sich regelmäßig auf dem Stadtplatz trifft und somit den Lesemuffeln unter uns gute Literatur näherbringt.

Haben wir jetzt einen Plan? Ich denke: Ja. Auf geht’s in Neumarkt-Sankt Veit.

29.07.2020, Lokalseite: Über lokale Brau-Versuche und das Brauerei- und Wirtshaussterben – Neumarkter statt Öttinger!

Im Jahr 1960 gab es in Bayern 1566 Brauereien, 1960 waren es noch 931. Im Jahr 2001 waren es noch 667. Heute sind es noch 647 Brauereien, die 4000 verschiedene Biersorten brauen. Man könnte meinen, dass das Wirtshaus- und Brauereisterben in gewisser Weise abgeflaut sei. Aber der tägliche Kampf gegen Großbrauereien wie Inbev geht unverrichteterdinge weiter. Es gibt weiterhin aktuelle Fälle, wo Traditionsunternehmen schließen müssen. Das tut allen Beteiligten weh. Helfen würde, wenn der Verbraucher seinen Blick auf die heimischen Biere schärfen und nicht zuerst nach dem Preis schauen würde. Denn hinter den Familienbrauereien stecken lange Traditionen. Die hätte man nicht einfach dem Preiskampf zum Opfer fallen lassen dürfen. Aber der Verbraucher hat sich in den letzten 50 Jahren leider immer mehr gegen heimische Biere entschieden und leider auch gegen den allabendlichen Wirtshausbesuch.

In Corona-Zeiten stehen die Brauereien wieder unter starkem Druck. Die reihenweise ausfallenden Großveranstaltungen machen bis zu 20% des Jahresumsatzes der Brauereien aus. Jetzt bin ich als militanter Antialkoholiker ein wenig zwiegespalten. Alkohol als Zellgift ist bekanntermaßen in jeder Dosis schädlich. Andererseits sehe ich ein, dass ich nicht alle bekehren kann. Die Volksdroge Alkohol wird auf lange Zeit nicht verschwinden. Und wenn dem nun schon mal so ist, dann hat es durchaus Sinn, kleine Privatbrauereien und damit die bayrische Vielfalt zu erhalten.

Deshalb ist der Brau-Versuch von Hanjo Hellfeuer und Richard Hirschberger begrüßenswert. Jedes heute weltweit agierende Business hat irgendwann ganz, ganz klein angefangen (z.B. Bill Gates in einer Garage), mit einer Idee, die langsam gereift ist, wie die Braugerste. Es empfiehlt sich, Autobiografien zu lesen. Da spreche ich gar nicht mal von solchen Autopionieren wie Carl Friedrich Benz. Ich habe die Biografie von Hermann Kronseder gelesen, dem Gründer der Krones-AG in Neutraubling bei Regensburg, die Getränkeabfüllanlagen herstellt und weltweit vertreibt. Wie er nach dem Krieg aus dem Nichts ein Imperium geschaffen hat, ist zutiefst beeindruckend. Dieser unbedingte Wille zum Erfolg ist in den heutigen Zeiten, wo die wenigsten Firmen inhabergeführt sind, nicht mehr so ausgeprägt. Die heutige Kaste von Spitzen-Managern sieht die Sache sportlicher, also wörtlich gesehen im Sinne von Spitzensportlern. In möglichst wenig Zeit muss möglichst viel Geld gescheffelt werden, weil die Erfolgszeit begrenzt ist.

Wir werden somit die Hellfeuerschen Brauversuche mit Wohlwollen begleiten. Obwohl Öttinger zumindest noch eine deutsche Brauererei-Gruppe ist, würde ich letztlich doch plädieren: Neumarkter statt Öttinger!

25.07.2020, Das waren noch Zeiten, schätzungsweise 1956

200710-stadtplatz-1956.jpg

10.07.2020, Von einem Tinnitus, einem Schwimmbadbesuch und dem nächsten Bürgerbegehren

200719-schwimmbad.jpg

Beim Betreten wie beim Baden – coronakonform ist jeder Gegenverkehr ausgeschlossen

Heute Vormittag, nach dem üblichen Bombardement mit Telefonanrufen und Mails,  war es wieder da, das Pfeifen im Ohr. Michael B., sprach ich zu mir selbst, Michael B., jetzt hast du drei Optionen:

  • Krankheitssymptome ignorieren (typisch für uns Männer)
  • sofort zum Arzt gehen (typisch für Frauen)
  • Pause + Körperertüchtigung (eher untypisch für und Deutsche)

Ich entschied mich für die dritte Option und damit für einen kleinen Triathlon. Ich radelte zum Freibad, lief geschwind zum Beckenrand und schwamm.

Und wie ich so losschwamm – übrigens ohne jedes Unrechtsbewusstsein gegenüber irgendjemandem – überlegte ich, ob ich jetzt die geschwommenen Bahnen zähle, oder lieber über mein Leben nachdenke. Ich entschied mich für Zweiteres und kam zu dem Ergebnis, dass sich die Arbeitswelt noch stärker verändern wird, als bisher. Bisher gibt es schon in vielen Jobs die Vertrauensarbeitszeit. Das gilt auch für mich, sonnst könnte ich die Heutevormittagsaktion nicht bringen und erst recht nicht darüber schreiben. Aber ich denke, dieses Szenario wird sich noch verstärken. Ich kann mir ein Leben ohne Urlaubsregelung vorstellen. Die Idee, in den Urlaub zu fahren, bzw. zu fliegen, ohne dass das meine Firma überhaupt interessiert, begeistert mich. Warum muss ich hier als Kellerkind in meinem Homeoffice rumsitzen, wo der Planet doch so schön und so groß ist, dass es doch viel besser wäre, in Florida vormittags zu arbeiten, nachmittags sich was anzuschauen, um dann abends wieder zu arbeiten. Oder an einem Regentag mal 14 Stunden zu arbeiten, um am nächsten Tag nur telefonisch erreichbar zu sein.

Nach dreißig Minuten wurde ich aus meiner Schwimmlethargie gerissen, weil sich mein linkes Knie meldete. Jetzt hatte ich wieder drei Optionen:

  • Ignorieren…
  • zum Arzt gehen…
  • bei einer Tasse Grünen Tee auf dem Stadtplatz über die Situation nachzudenken

Ich entschied mich für Option 1 und 3. Auf dem Stadtplatz dachte ich darüber nach, ob ich nicht das nächste Bürgerbegehren in die Wege leiten sollte. Denn die Schwimmregelung im Becken, nach der man zwei Bahnen im Einbahnstraßenverkehr und faktisch im Kreis schwimmend bewältigt, finde ich so toll, dass man diese Regelung unbedingt beibehalten sollte. Ich bin noch nie in meinem Leben entspannter geschwommen. Die Bahnen sind breit genug, um die älteren Damen zu überholen, und es gibt keinerlei Gegenverkehr. Meine Damen und Herren im Stadtrat: Bitte darüber nachdenken, sonst starte ich unausweichlich ein neues Bürgerbegehren, das sogenannte Schwimmregelungsbeibehaltungsbürgerbegehren.

20.06.2020, Lokalseite: 50 Roma auf der Volksfestplatz – Facebook geht steil

Neumarkt hatte in den letzten Tagen Besuch auf dem Volksfestplatz. 50 Roma mit 20 Wohnwagen hatten sich niedergelassen. Zwar ist der Volksfestplatz abgesperrt und ein entsprechendes „Campieren verboten“-Schild angebracht. Interessierte das fahrende Volk aber nicht. Die Gefahr, Hausfriedensbruch zu begehen, wurde ebenfalls ignoriert. Neumarkt drückte beide Augen zu. Die Menschen durften bleiben. Richtige Entscheidung. Das Sankt-Florian-Prinzip, die Leute zu vertreiben, auf dass sie sich dann einfach eine andere Stadt mit einem anderen geeigneten Wiese suchen, hilft nicht weiter. Es gibt sie nun mal, und sie können sich nicht einfach in Luft auflösen. Damit müssen wir leben, auch wenn es uns ein Rätsel ist, wie man so ein Leben führen kann.

Die Menschen im faceebook machten sich da schon deutlich mehr Sorgen als unsereins. Wenn Roma Müll verursachen (oder die Hecke für ihre „Geschäfte“) nutzen, wird sich beschwert. Vielleicht sollte man mal direkt die Statistik bemühen und aufzeigen, wieviel Müll unser jährliches neuntägiges Volksfest produziert? Dagegen dürfte der Müllhaufen der Roma verschwindend gering sein. Und wieviele Wildbiesler es in dieser Zeit gibt – daran will ich lieber gar nicht denken.

Ohne lokale Presse hätte ich von dem Roma-Besuch gar nichts mitbekommen. Die geschlossene Facebook-Gruppe, um die es bei dem heutigen Bericht geht, nennt sich „Du kommst aus Neumarkt, wenn…“. Ich war früher auch dabei. Allerdings war mir die Gefahr zu groß, mich dort in Diskussionen verwickeln zu lassen. Meine 24-Stunden-Regel (im emotionalen Zustand 24 Stunden nicht kommunizieren) schien in latenter Gefahr zu sein. Ich habe mich irgendwann verabschiedet.

Im Wesentlichen führen in der Facebook-Diskussion zwei Menschen das Zepter, die aber eher aufeinander schimpfen, als sich mit dem eigentlichen Thema zu beschäftigen. Ansonsten geht es darum, ob man sich siezt oder duzt, oder ob 5 Ausrufezeichen „im Rudel“ wirklich sinnvoll sind (Ich denke, eher nicht). Die Nutzung von Frage- und Ausrufezeichen – zumeist durch den Initiator dieses Wahnsinns – ist in der Tat inflationär (87 Fragezeichen, 54 Ausrufezeichen). Eventuell sollte der Initiator tatsächlich einen Deutsch-Kurs belegen. Hauptthema unter anderem: Rhetorik und Kommasetzung.

Rassismus, echte Ausraster, beleidigende Begriffe gegenüber den Roma konnte ich beim Überfliegen in keinem Kommentar erkennen. Die Kommentare mit den Begriffen Zigeuner, Heckentoilette und Bohrerschleiferheckenscheißerbande, wie in der Zeitung aufgeführt, konnte ich auch nicht wiederfinden, vielleicht sind sie aber auch gelöscht worden. Ich weiß nicht, ob die Geschichte von der lokalen Presse nicht doch ein wenig überhöht wurde. Einer setzt einen etwas wirren facebook-Beitrag ab, und es entspinnt sich ein nicht enden wollender Kleinkrieg mit 61 Kommentaren. Ein Blick auf die persönliche facebook-Seite des Initiators hätte gereicht, um zu wissen, dass es überhaupt keinen Sinn hat, zu antworten. Die Welt hätte weder den facebook-Disput, noch den Zeitungsbericht wirklich gebraucht. Da wurde dem Verursacher zuviel Aufmerksamkeit gewidmet.

Ein Kommentar hat mir aber wirklich gefallen: „Beneidenswert ist das Wandervolk. Kommt es in ein Dorf mit Einwohnern, die komisch sind, zieht es einfach weiter.“

18.06.2020, Lokalseite: Bahnbrechende Statements zum Thema Grundstückskauf

Eine störende Thuja-Hecke veranlasste die Lokalseite, einige wirklich revolutionäre  Informationen zu veröffentlichen. Demzufolge sei es „völlig normal, dass sich ein Bauwerber das Grundstück vor der Reservierung selbst ansieht“. Aha. Das überrascht mich. Ich dachte, dass sich ein Bauwerber erst einmal blind zehn bis fünfzehn Grundstücke reserviert und sich danach in Ruhe das Beste raussucht. Aber vorher anschauen? Gut zu wissen, dass das auch geht.

Es kommt noch besser. Tatsächlich sei es „jedermanns eigene Entscheidung, ob er das angebotene Grundstück kauft oder nicht“. Wirklich? Unfassbar. Ich habe gleich mal im Grundgesetz geblättert, ob das überhaupt sein kann und siehe da: Die Aussage stimmt.

Und jetzt das i-Tüpfelchen. Man könne „nicht für gute Nachbarschaft garantieren“. Ich bin schwer enttäuscht. Nicht mal das klappt.

Ich habe ein Phrasenschwein aufgemacht und 3 x 5 Euro eingeworfen.

18.06.2020, Es wird geklaut, dass sich die Balken biegen

Was sind das für Landsleute, die in Oberscherm einem Baumliebhaber einfach den Mammutbaum zum zweiten Mal ausgraben und mitnehmen? Muss der Besitzer die Bäume jetzt wirklich einzäunen? Ich empfehle den Einsatz einer Wildkamera mit Nachtmodus. Ab 70 Euro sind sie zu haben. Müsste man ein wenig versteckt anbringen, sonst sind die Bäume früh-morgens noch da, aber die Kamera ist gestohlen… Ein entsprechendes Warnschild gehört dann noch an die Straße, und schon hat man für die dreisten Diebe eine erste kleine Hürde aufgebaut. Es ist so traurig, dass man über so etwas nachdenken muss.

oberscherm

Jetzt schaut der Baumbestand noch ein wenig karg aus. Aber in 50 Jahren wird das einer der schönsten Parks weit und breit sein. Supersache! Im Urlaub haben wir uns den Baumpark in Crivitz angeschaut, der im Vergleich zu Oberscherm riesig ist und mindestens 320 Bäume umfasst. Dort gibt es für die Erhaltung einen Förderverein. Der Fachbegriff für so einen Baumpark ist Arboretum (lat. arbor = Baum). Wenn der Oberschermer Besitzer noch ein paar Bäume mehr pflanzt, bekommt er schon einen Eintrag in Wikipedia.

aboretum

26.05.2020, Gerontopsychiatrische Versorgung im Landkreis Mühldorf

Die Gerontopsychiatrie beschäftigt sich – wörtlich übersetzt – mit der Seelenheilkunde von Greisen. Ich denke, wir müssen das aber ein wenig verallgemeinern und auf Erwachsene abstellen. Hier mal eine Statistik der Patienten mit obengenannter Diagnose für den Landkreis Mühldorf:

170901-fqa-data

Man sieht ein gewisses Ungleichgewicht, denn Neumarkt „schultert“ etwa 24% dieser Patienten des ganzen Landkreises. Und wenn wir grade bei Statistiken sind: Bei der Belegung unseres Wohnzentrums kann man ungefähr von 200 Patienten ausgehen, davon 140-150 in der Eingliederungshilfe. Sie ist eine Sozialleistung nach Teil 2 des SGB IX und soll Menschen mit einer Behinderung oder von Behinderung bedrohten Menschen helfen, die Folgen ihrer Behinderung zu mildern und sich in die Gesellschaft einzugliedern. Demgemäß muss sie im Erfolgsfall auch zeitlich begrenzt sein. Das wäre die Statistik, die mich interessieren würde, wobei diese Erfolgsstatistik wahrscheinlich nicht wirklich weiterhilft, weil die Begrifflichkeit „Eingliederung in die Gesellschaft“ alles und nichts bedeuten kann. Den ersten Arbeitsmarkt würde ich als Kriterium ausschließen, wenn mich meine Beobachtungsgabe nicht zu falschen Erkenntnissen führt.

26.05.2020, Verwaltungsakt: Gelbe Säcke

200526-gelbe-säcke

Die fachgerechte Entsorgung von Plastikmüll hat etwas mit Umweltschutz zu tun, sodass ich natürlich umweltpolitisch korrekt mit dem Fahrrad zum Rathaus unterwegs war, um mir eine neue Rolle zu beschaffen. Da das Radeln ja dann doch drei Minuten dauert, habe ich kurz darüber nachdenken können, warum es diesen verwaltungstechnischen Akt der Säckeverteilung überhaupt geben muss. Ich muss da mit einem Gutschein antreten (nur Gott weiß, wie der überhaupt zu uns kam) und bekomme im Gegenzug eine Rolle in die Hand gedrückt. 2000 Familien geht es genauso wie mir. Nehmen wir an, dass man zweimal im Jahr vorstellig werden muss, dann sind das 4000 Abholvorgänge in diesem Jahr. Das Jahr 2020 hat exakt 253 Arbeitstage. Brückentage und sonstige Schließungstage abgerechnet kommen wir auf 250 geöffnete Tage. Damit kämen an jedem Tag 16 Leute reingeschneit. Da der Parteienverkehr auf durchschnittlich 4,8 Stunden pro Tag begrenzt ist (5×4 Stunden plus 4 Stunden am Donnerstag Nachmittag), kommt da rein rechnerisch jede Viertelstunde einer wie ich vorbei. Das langweilt und nervt verständlicherweise alle Beteiligten, weshalb das Abholen auch nur am Dienstag und Donnerstag möglich ist. Damit verdichtet sich die Sache entsprechend.

Ich hätte zwei pragmatische Vorschläge: Die gelben Säcke sollten genauso beim Wertstoffhof verteilt werden, wie die grünen Säcke. Und vor allem sollten sie etwas kosten. Wo ist das Problem für eine grüne oder eine gelbe Rolle einen Euro zu bezahlen? Denn zugegebenermaßen schaut kein Mensch auf seinen Abfall und kontrolliert, ob da ein gelber Punkt ist. Diese bequeme und geduldete Form der Entsorgung sollte uns was wert sein. Das würde auch die Raffzähne unter uns ein wenig bremsen, die früher aus den kostenlosen gelben Säcken scheinbar Gefrierbeutel fertigten. Ich glaube, dieser Maßlosigkeit haben wir es zu verdanken, dass die gelben Säcke nicht mehr frei verfügbar sind. Ich finde, dass die Abfallentsorgung insgesamt aber super funktioniert. Und mir ist sie was wert. Ich habe beim Wertstoffhof meistens einen Euro (und wenn ich mehr als nur Grüngut entsorge einen Zwickerl) für die Kaffeekasse dabei, weil die Mitarbeiter dort einen Riesenjob machen.

25.05.2020, Lokalseite: Nachfrage nach Urnengrabstellen steigt

Wenden wir uns zunächst der Frage zu, warum die Nachfrage nach Urnengrabstellen steigt. Denn die normale Form der Bestattung ist aus kirchlicher Sicht das Begräbnis des Leichnams in einem Sarg. Die Einäscherung des Leichnams ist aber ebenfalls gestattet,  wenn damit die Auferstehung des Leibes nicht in Frage gestellt wird – so die Erklärung auf katholisch.de. Aber wer käme denn in Neumarkt auf die absurde Idee, Fragen zu stellen? Also können wir uns dem Thema Friedhofsgestaltung in aller Ruhe widmen. Gut, dass wir jetzt die geballte Kompetenz im Stadtrat haben. Das Ansprechen des unterschiedlichen Wurzel-Verhaltens einer Thujen- und einer Ligusterhecke hat Sinn. Ich stelle mir grade vor, wie ich da unten rumliege und in meinem Erdhaus die Zeit totschlage. Dann kommt diese Liguster-Hecken-Wurzel, durchdringt – freilich im Zeitlumpentempo (was an sich kein Problem wäre, denn ich habe ja Zeit) – frech meine morsche Behausung und piekt mir ins linke Auge. Unverschämtheit. Ich möchte auch eine Urnengrabstelle.

20.05.2020, Krähenplage

Im Grüngürtel gleich neben unserem Haus hat sich eine Krähenpopulation eingenistet. Die etwa vierzehn Nester sind ungefähr 200m entfernt. Der Krach ist für uns grade noch erträglich. Aber die Nachbarn, die noch näher dran wohnen, tun mir wirklich leid. So ist es kein Wunder, dass sich ab sofort Widerstand regt. Es ist ausgemachte Sache, dass wir uns mit einreihen in die Bemühungen, die Biester loszuwerden. Tatsächlich ist die Rabenkrähe ein Singvogel, der zudem noch unter strengem europäischem Artenschutz steht. Aber ich halte Rabenkrähen für nicht besonders schützenswert. Sie räumen z.B. die Nester anderer Vögel aus. Ideen, wie man ein solches Problem angehen kann, gibt es so einige, über einige muss man sogar schmunzeln, weil sie so einfallsreich sind. Das Internet ist voll von Berichten über deutsche Städte, die unter den Krähen leiden. In Erding gab es Ende 2019 bis zu 1000 Brutpaare. Bei angenommenen etwa 89.000 Brutpaaren deutschlandweit erwischt es Erding damit schon ziemlich stark. Was kann man tun? Falkner könnten Falken über den Nestern kreisen lassen; Uhu-Attrappen aus Plastik in den Wipfeln der Bäume platzieren, wobei Freiwillige dann mehrmals am Tag an den Seilen ziehen, um die Flügel der Uhus wackeln zu lassen; Drohnen kreisen lassen, die Falkenrufe aussenden; selber permanenten Krach verursachen, um den Vögeln die Ruhe beim Brüten zu nehmen, Einsatz von Blasmusik; Steigenlassen von Luftballons; oder mit C-Schläuchen die Nester von den Bäumen fegen. Dass muss man dann mal als Feuerwehrübung tarnen…

Die Quintessenz ist, dass wohl nur Greifvögel, also Bussarde, Habichte und Falken verschiedener Größe, helfen. Aber das geht relativ schnell ins Geld. Da kann eine Stadt gleich mal 20 – 50.000 Euro in ihren Haushalt einstellen, wenn man auf Falkner und ihre gefiederten Freunde zurückgreift. Klingt viel, aber hier einmal ein Fakt, um die Kosten in Relation zu bringen: Tatsächlich kann man schon einen mittelmäßigen Falken für 20.000 Euro nach Arabien verkaufen. Klar ist aber auch, dass der Einsatz eines Falkners von der Obersten Naturschutzbehörde genehmigt werden muss. Und die oberbayrischen Behörden sind bei ihren Entscheidungen – sagen wir es mal vorsichtig – nicht so liberal, wie anderswo.

Charmanter wäre wohl der Versuch, Greifvögel zu kaufen, bei uns auszusetzen und sie geordnet zu füttern, damit sie bei uns bleiben. Wenn man aber nichts tut, dann könnte es über Neumarkt in ein paar Jahren so wie auf dem Bild ausschauen. In Puchheim wuchs die Population innerhalb eines Jahres von 231 Nestern auf 303 Nester. Es geht also rasendschnell mit der Vermehrung. Innerhalb von acht Jahren kann eine Population von acht Brutpaaren auf über 300 ansteigen.

Ich sehe einen wirklichen Ansatzpunkt in der Argumentation: Die Verkotung. Grade jetzt in Corona-Zeiten mit den vielen Hygienekonzepten ist die Verkotung eine äußerst unhygienische Sache. Ich bin mal gespannt, welche Strategie die geplagte Nachbarschaft entwickelt.

200520-krähen

Quelle: Stuttgarter Zeitung

20.05.2020, Lokalseite wuchs heute über sich hinaus

Wie immer habe ich mich bei der Morgenlektüre als Erstes auf die Lokalseite gestürzt. Berichte über Neumarkt waren wieder einmal Mangelware, aber ganz unten rechts war dann doch noch eine höchst wichtige Meldung, nämlich dass das Rathaus am 12. Juni geschlossen ist. Das interessiert natürlich heute wirklich jeden, ob in drei Wochen an einem Brückentag das Rathaus zu ist. Ob aber das Rathaus übermorgen (auch ein Brückentag) geschlossen ist – das hielten die Zeitungsmacher für weniger interessant.

19.05.2020 ASD (Adorno-Support-Group) schlägt wieder zu

200521-zitat

Ich kann das Zitat für mich nicht vollständig übernehmen. Vor einem Faschisten in der Maske eines Faschisten würde ich mich schon fürchten. Aber ich kenne ein anderes Zitat: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, auch wenn es nur 5m sind (Matthäus 23, 12).

Ich habe mal gegoogelt, ob es nicht doch noch andere Zitate von Adorno gibt, und nicht nur dieses Faschisten/Demokraten-Wortspiel, hier eine Auswahl:

  • Engagement ist vielfach nichts als Mangel an Talent oder an Anspannung, Nachlassen der Kraft.
  • Geliebt wirst Du einzig, wo Du schwach Dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.
  • Kunst ist Magie, befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.
  • Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen.
  • Gesundheit? – Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?
  • Pantoffel – „Schlappen“, Slippers – sind darauf berechnet, dass man ohne Hilfe der Hand mit den Füßen hineinschlüpft. Sie sind Denkmale des Hasses gegen das „sich Bücken“.
  • Fakten sind in der Gesellschaft darum nicht das letzte, daran Erkenntnis ihren Haftpunkt fände, weil sie selber vermittelt sind durch die Gesellschaft.
  • Die Welt ist das System des Grauens, aber darum tut ihr noch zuviel Ehre an, wer sie ganz als System denkt.
  • Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war.
  • Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.
  • Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils. Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt. Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen. (Horkheimer / Adorno; Dialektik der Aufklärung)
  • Das Halbverstandene und Halberfahrene ist nicht die Vorstufe der Bildung, sondern ihr Todfeind.
  • Der Blick auf mögliche Vorteile ist der Todfeind der Bildung menschenwürdiger Beziehungen.
  • Keine Verbesserung ist zu klein oder geringfügig, als dass man sie nicht durchführen sollte.

200521-adorno

Theodor W. Adorno, 11.09.1903 – bis 06.08.1969

03.05.2020, Wanderung um Neumarkt-Sankt Veit

Nachdem es immer wahrscheinlicher wird, dass wir alle unseren Urlaub in Deutschland werden verbringen müssen, mache ich schon mal Werbung für Neumarkt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich unsere Gegend selber nur oberflächlich kenne. Ich habe beispielsweise immer noch Schwierigkeiten, Niedertaufkirchen und Niederbergkirchen zu unterscheiden, und das nach 27 Jahren…

IMG_6319.jpg

Ein Bild von der Schule. Die Tulpen sind toll. Schöne Idee.

IMG_6320.jpg

Auch sehr schön. Da hat sich eine Familie aber mal so richtig reingehängt und eine kleine Privatkapelle errichtet. Die Bedeutung der Anordnung der vier Steine gegenüber der Bank erschließt sich mir (noch) nicht. Beim Anblick musste ich unwillkürlich an „Das fünfte Element“ denken.

IMG_6321.jpg

Aus der Perspektive hatte ich die St.Veiter Kirche noch nie gesehen.

IMG_6323.jpg

Auch eine nette Geste – zu finden auf einer Bank auf dem Wanderweg 1 -, ganz nach dem Motto: Ist die Katze xund, freut sich der Hund.

IMG_6324.jpg

In Corona-Zeiten könnte man hier sicherlich einen Mini-Gottesdienst abhalten.

Zwei Kapellen laden zum kurzen Innehalten ein.

IMG_6327.jpg

In Oberscherm gibt es einen Botanischen Garten. Ich tippe auf eine Privatinitiative. Tippen deshalb, weil es diese Klasse-Idee noch nicht ins Internet geschafft hat. Alle Bäume haben Namensschilder. Für mich – der ich geradeso eine Fichte von einer Kiefer unterscheiden kann – ist das ganz toll.

IMG_6328.jpg

Die Schlacht von 1809 lässt grüßen. Das Gefecht von Neumarkt-Sankt Veit war Teil des Fünften Koalitionskrieges und fand am 24. April 1809 statt. Damals war das Königreich Bayern mit dem Rheinbund ein Verbündeter des Kaiserreichs Frankreich unter Napoleon I. Die sich in der Verfolgung befindlichen französisch-bayerischen Truppen unter Marschall Bessières wurden dabei von einer zahlenmäßig überlegenen österreichischen Streitkraft unter Feldmarschallleutnant Johann von Hiller angegriffen. Die Großmacht Österreich hoffte durch den Einmarsch in Bayern auf einen Seitenwechsel der Bayern und der anderen deutschen Kleinstaaten. Tatsächlich aber hielt das Bündnis mit Napoleon (Österreich wurde nach dem verlorenen Krieg selbst zum Bündnis gezwungen – dieser Politikstil klingt nicht sehr logisch). Erst bekämpft man den Feind, dass die Fetzen fliegen, und dann zwingt man ihn zum Bündnis? Eine echte Freundschaft schaut aber bestimmt anders aus… Ohne zu wissen, dass die österreichische Hauptarmee unter Erzherzog Karl bereits besiegt worden war, wandten sich Hillers Truppen den Verfolgern zu. Südlich von Neumarkt-Sankt Veit wurden die französischen Divisionen Molitor sowie die bayerische Division von Wrede angegriffen und mit einem Verlust etwa 2000 Mann nach Norden zurückgeworfen.

Hiller verlor 4 Offiziere, 148 Mann, an Verwundete 21 Offiziere und 603 Mann sowie 122 Gefangene, zusammen 776 Tote und Verwundete, im Ganzen 25 Offiziere und 873 Mann. Die Bayern hatten 586 Tote und Verwundete, dazu 200 Gefangene. Der französische Verlust von Bessieres lag bei etwa 2000 Mann‚ wovon 27 Offiziere und 887 Mann in Gefangenschaft gerieten.

Alles in allem der reinste Wahnsinn. Der Georgi-Tag erinnert jedes Jahr an das Grauen.

IMG_6329.jpg

Warum es diese Schranke gibt, weiß niemand. Falls jemand – wider Erwarten – tatsächlich auf die Wiese fahren möchte, dann fährt er einfach rechts vorbei.

IMG_6331.jpg

Ein weiteres dieser über 50 Neuner-Kreuze. Ich nehme an, der Name „Neuner-Kreuz“ deutet auf das Jahr der Schlacht hin: 1809.

IMG_6333.jpg

Rehlein gibt es rund um Neumarkt jede Menge.

IMG_6336.jpg

Weil das Freibad in diesem Jahr wohl geschlossen bleiben wird, wird hier – als Ersatzlösung – schon mal die Rott angestaut. Vermutlich von der Biber-Familie. Das nenne ich mal Einklang von Mensch und Natur.

IMG_6340.jpg

Die Steinschlange von Neumarkt-Sankt Veit auf dem Rottweg. Supersache. Von unserer Enkelin liegen auch zwei Steine dort. Ein paar Landsleuten war so etwas Schönes in der Zwischenzeit schon wieder ein Dorn im Auge. Die Steinschlange wurde zerstört. Aber heute war die Schlange intakt und quietschlebendig.

IMG_6339.jpg

Als alter Eulensammler fiel mir dieses prächtige Stück in der Steinschlange sofort auf. Da war ein Künstler unterwegs. Bitte bei mir melden. Ich hätte da einen Auftrag zu vergeben.

So endete eine schöne Wanderung nach etwas mehr als zwei Stunden.

26.04.2020, Bizarre Diskussion mit einem Zigarettenautomaten und einem Haus

Unsere Spaziergänge Richtung Downtown-Neumarkt führen uns zwangsläufig an einem leerstehenden Haus vorbei. Davor befindet sich ein Zigarettenautomat. Letztens war ich allein unterwegs. Spricht mich der Automat doch tatsächlich an…

Zigarettenautomat: Warum schaust du mich immer so verächtlich an, wenn du an mir vorbeispazierst?

M.B.: Ich bin militanter Nichtraucher, ich kann nicht anders.

Zigarettenautomat: Typisch. Früher selbst geraucht und dann plötzlich intolerant.

M.B.: Du bringst den Menschen den frühzeitigen Tod. Da kann es keine Toleranz geben.

Zigarettenautomat: Was geht dich fremdes Elend an, dann lass sie sich doch umbringen.

M.B.: Vergiss das Passivrauchen nicht. Und spätestens bei der Tumordiagnose werden dann unsere Steuergelder gebraucht, um das Leben der Raucher noch ein wenig zu verlängern.

Zigarettenautomat: Der Staat hat ja vorher auch Milliarden an Tabaksteuer eingenommen. Einen Teil davon gibt er dann halt wieder aus. So ist das Solidarprinzip, willst du dich da ausklinken?

M.B.: Red so weiter, du Krisengewinnler, und ich bau dich an Ort und Stelle ab und werf dich in den Straßengraben.

Zigarettenautomat: Wieso Krisengewinnler?

M.B.: Weil die Leute Corona für wesentlich gefährlicher halten als Tabakkonsum. Fakt ist aber, dass es weltweit bisher an die 200.000 Corona-Tote gibt, aber jährlich im Durchschnitt acht Millionen Tabak-Tote.

Zigarettenautomat: Wir sind ja auch erst im April. Vielleicht gehen die Corona-Zahlen ja noch spektakulär nach oben.

M.B.:Egal, ich muss jetzt weiter.

Haus: Darf ich auch mitdiskutieren?

Zigarettenautomat: Halt du dich jetzt mal raus, du Bruchbude, wenn Erwachsene miteinander sprechen.

M.B.: Ruhe, sonst baue ich dich doch noch ab. Was wärn?

Haus: Ich will nach Afrika.

Zigarettenautomat: Ich verschluck mich gleich an einer Zigarettenschachtel, wie bitte?

M.B.: Was willst du in Afrika?

Haus: Ich fühle mich hier einsam. Ich bin seit Jahren unbewohnt.

Zigarettenautomat: Und in Afrika wäre alles anders?

Haus: Klar, die würden alles dafür geben, mich zu bewohnen. Vom Dach kommt der Strom, aus der Erde das Wasser. In den ärmsten Gegenden Afrikas wohnen auf so einem Grundstück mindestens 50 Leute. Da wäre wieder Leben in der Bude.

Zigarettenautomat: Du meinst Bruchbude.

M.B.: Jetzt ist es so weit, ich bau dich ab.

Zigarettenautomat: Entschuldigung!

Haus: Darf ich jetzt nach Afrika?

M.B.: Bleib cool, die in Afrika haben bereits entdeckt, dass bei uns die Häuser leer stehen.

Haus: Uns was hilft mir das?

M.B.: Ganz einfach, die Ärmsten der Armen packen ihre sieben Sachen zusammen, marschieren Richtung Mittelmeer, steigen in ein Gummiboot ein, shippern nach Europa – und haben dich bereits im Blick.

Zigarettenautomat: Um dann auf Lesbos oder Lampedusa zu stranden und nicht mehr weiter zu können, ha ha.

M.B.: Noch nie was von Trickle-Down-Economy gehört?

Zigarettenautomat/Haus (verblüfft): Wassn das?

M.B.: Ganz einfach. Die Theorie besagt, dass man die Armut in einem Land bekämpft, in dem man die Reichen noch reicher werden lässt. Die Investitionen der Reichen in ihren Luxus und ihr Business sorgen dann dafür, dass das Geld auch bis zu den Ärmsten „durchsickert“ (to trickle = sickern), wie bei einem Trichter, natürlich extremst dosiert, auf keinen Fall zu viel. Das heißt, dass sich die allerärmste Schicht am Tag dann vielleicht zwei Mahlzeiten statt nur einer leisten kann. Das ist eine Anhebung des Lebensstandards um 100%, quasi eine win-win-Situation: Die Reichen sind noch glücklicher (reicher) und die Armen haben das Gefühl, plötzlich viel besser leben zu können. Sie sagen danke und wählen die Reichen dann bei der nächsten Wahl.

Haus: Was hat das Ganze mit mir zu tun?

M.B.: Ganz einfach. Die Logik gilt auch für die weltweiten Flüchtlingsströme. Wir nehmen wieder den Trichter. Oben steckt die Flüchtlingsindustrie 10.000 Menschen in den Trichter (Gummiboote). Da das Mittelmeer kein einfaches Gewässer ist, bleiben ein paar Flüchtlinge auf der Strecke (der Trichter wird nach unten ja auch schmaler). In den Flüchtlingslagern (Lesbos und Lampedusa usw.) dezimiert sich die Zahl durch Krankheit, Zurückschicken, Aufgabe weiter. Bleiben noch 5.000 übrig, die sich das eine oder andere Traumland in Europa ausgesucht haben und unbedingt dahin wollen. Sagen wir mal, dass es 1200 tatsächlich nach Deutschland schaffen. 300 Landkreise gibt es in Deutschland. Wir verteilen also vier Menschen auf jeden Landkreis.

Haus: Das wäre aber ein großer Zufall, wenn die zwei dann ausgerechnet zu mir kämen.

M.B.: Du musst globaler denken. Laut UNHCR waren im Juni 2018 über 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Chance für dich, dein jämmerliches Dasein zu beenden, steigt exponentiell an – also rein statistisch gesehen.

Zigarettenautomat: Aber es gibt ja gar kein entsprechendes Einwanderungsgesetz bei uns. Wir lassen die Leute ja nicht allein deshalb bei uns rein, nur weil sie bei uns besser leben können, als in ihrem Heimatland.

M.B.: Gesetz hin oder her. Wenn eine hohe Zahl an Menschen an unseren Grenzen an unsere Tür klopft, wer will sie dann aufhalten? Bisher haben wir nur das geografische Glück, ziemlich weit im Norden zu liegen. Aber diese logistische Herausforderung wird die Flüchtlingsindustrie auch noch lösen. Dann sind die Leute einfach da. Erst zu Hunderten, dann zu Tausenden, dann eine Million. Schauen wir uns die stark kritisierte Türkei an: Dort leben 2,9 Millionen Flüchtlinge. In dem kleinen, in der Vergangenheit von Bürgerkriegen geplagten, Libanon sind es zwei Millionen Flüchtlinge. Beide Länder fragen zu Recht: Wie viele Flüchtlinge wird uns die EU abnehmen, um das Leid zu lindern?

Haus: Und? Wie viele sind es?

M.B.: Lächerlich wenig. In Sachen Asyl ist die EU in eine blamable Kleinstaaterei ohne jede Richtung zerfallen.

Haus: Wie hoch ist jetzt die Chance, dass ich bald wieder bewohnt sein werde?

M.B.: Ehrlich gesagt, geht sie gegen Null, zumindest was Asylbewerber und Zuwanderer betrifft. Aber wie wäre es, wenn du als Zeichen für das reiche Deutschland und als Symbol der Verachtung gegenüber 70 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind und ein neues Zuhause bräuchten, einfach leer stehen bleibst?

Zigarettenautomat: Klingt vernünftig. Du bleibst leer, ich dagegen immer gut gefüllt.

Haus: Verschwindet, beide!

25.04.2020, Corona-Fälle in Neumarkt, laut Landkreis Mühldorf

  • Anzahl der Fälle pro 1000 Einwohner: 3
  • Anzahl gesamt: 16
  • davon genesen: 9

16.04.2020, Corona macht um Neumarkt einen Bogen…

Laut Lokalseite unserer Zeitung findet Corona in Neumarkt nicht statt. Es gibt keine Infektionszahlen, es gibt keine Berichterstattung zu dem Thema. Dabei gibt es in Neumarkt durchaus einige Pflegeeinrichtungen und auch Pflegedienste. Wirtschaftliche Auswirkungen auf Einzelhandel und Gewerbetriebe, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit – alles kein Thema. Offensichtlich ist die Welt in Sachen Corona bei uns in Neumarkt vollständig in Ordnung.

14.04.2020, Blutspender in der Mehrzahl männlich…

Der kleine Halbsatz heute auf der Lokalseite „die Mehrzahl männlich“ ist eigentlich nichts Besonders. Für mich eine rein statistische Info, dass letzte Woche mehr Männer als Frauen beim Blutspenden waren. Meine Frau fand das nicht so gelungen. Klang für sie wie ein versteckter Vorwurf. Sie wird es überleben, zumal sie eine der Spenderinnen war.

13.04.2020, Schmierereien, überall

200413-schmiererei

Qualitativ gesehen ist das eine gute Leistung. Aber letztlich bleibt es eine dämliche Schmiererei. Das hätten die Jungs mit viel weniger Arbeit einfach auf Facebook posten können. In Neumarkt ist diese „Denkschrift“ an drei verschiedenen Stellen aufgetaucht. Und Adorno, richtiger Name ist Theodor Ludwig Wiesengrund, der als geistiger Vater der Frankfurter Studentenbewegung gilt, hätte sich bestimmt eine schönere Fläche gewünscht, als die Türen von Trafohäuschen in Neumarkt-Sankt Veit.

12.04.2020, Ostersonntag, Neumarkt erwacht kollektiv um 0700 aus dem Schlaf

Insgesamt gesehen haben wir hier eines der ruhigsten Fleckchen Erde in ganz Neumarkt-Sankt Veit erwischt. Bei uns zwitschern die Vögelchen, weil der Wald nur zehn Meter weg ist. Wir wohnen an keiner Straße, wo die Autos durchpoltern. Wenn nicht grade die Frischhut-Gießerei irgendeine größere Aktion fährt, ist es das Paradies. Aber jeden Sonntag sind wir Teil der „jetzt-steht-mal-endlich-auf-ihr-schlafmützen“-Bevölkerung. Glockengeläut? Nein. Sirene? Nein. Pünktlich um 0700 prescht der (vermutlich leere) Regionalzug RB27204 von Massing heran. Auf seinem Weg passiert er exakt ab 0705 mehrere unbeschrankte Bahnübergänge. Und der Lokführer betätigt – sicherlich seinen Anweisungen folgend – genüsslich die Zugpfeife. An so einem Ostersonntag hat er natürlich früh um 0700 auch alle Hände voll zu tun, die Bahngleise freizubekommen. Spaziergänger, Radlfahrer, Semmelholer – alless tummelt sich auf dem Bahngleis und muss verscheucht werden. Einen kurzen Pfiff könnte der am Ostersonntag ganz auf Schlaf getrimmte Körper vielleicht noch überhören. Aber zehn Pfiffe – keine Chance. Und so ist es jeden Sonntag das gleiche (Trauer-)Spiel: 6.100 Menschen reißt es aus dem Schlaf. Denn ich bin mir sicher: Auch der maximal entfernte Galgenberg ist beroffen. Dabei muss man unterscheiden. Wir sind wenigstens einen knappen Kilometer weg. Wir wachen normal auf. Aber die Leute, die direkt neben den Bahnschienen in der Musikersiedlung wohnen, dürften senkrecht im Bett stehen. Danke. Deutsche Bahn.

11.04.2020 Traurige OVB-Lokalseite

Weil Neumarkt offensichtlich so tot ist, dass es überhaupt nichts mehr zu berichten ist, wird uns zumindest erklärt, wie über Ostern der ärztliche Notdienst in Obing und Traunstein funktioniert. Problem dabei ist: Nach Obing will niemand und nach Traunstein kommt man unter normalen Umständen nicht hin.

05.04.2020 Das Rätsel um Nessie ist gelöst

Wie man sieht, lebt Nessie im Umland von Neumarkt-Sankt Veit. Den genauen Aufenthaltsort möchte ich aus Tierschutzgründen geheimhalten. Da der Weiher hinter Nessie nicht so riesig ist, wagt sich Nessie ab und an aufs Land. Wir sind aber schnell weitergeradelt. Denn gut gelaunt schaut anders aus.

200405-06-radlausflug-winhöring.jpg

18.03.2020. Wertstoffhof geschlossen

Einmal im Jahr wird bei uns zu Hause mal richtig aufgeräumt, und dann das: Wegen Corona hat der Wertstoffhof geschlossen. Blöd gelaufen. Jetzt stehen wir vor der Frage, ob wir den Schrott im Golf liegen lassen, oder einfach im Wald vergraben…

03.03.2020, Rottalia-Chef kontert die OVB-Berichterstattung

Am Aschermittwoch gab es tatsächlich einen etwas einseitigen Bericht, der sich wie ein Polizeibericht las. Nachdem ich am Faschingsdienstag den „normalen“ Bericht nicht gelesen hatte, war ich auch ein wenig verwundert, dass so negativ berichtet wurde. Der „Alkohol floss in Strömen“ war natürlich auch eine derbe Überschrift. Die Fakten kann man natürlich nicht wegdiskutieren. Und man kann auch nicht wegdiskutieren, dass Vereine nun mal das meiste Geld verdienen können, wenn ein Fest ausgerichtet und möglichst viel Alkohol konsumiert wird. Dass sich Teile der Jugend dieser Logik durch Vorglühen entziehen, ist für alle Beteiligten doppelt unglücklich. Die Zeitung hat wohl eingesehen, dass der Bericht zu negativ ausgefallen ist. Die Tatsache, dass Hellfeuers Gegendarstellung der doppelte Raum eingeräumt wird, wie dem „Polizeibericht“ vor einer Woche, beweist das. Nur den Hinweis mit dem „irre viel Müll“ hat Hanjo Hellfeuer nicht kommentiert. Wenigstens da waren sich der Schreiberling und der Präsident  offensichtlich einig.

01.03.2020, Aufkleber auf Verkehrsschildern

Für Menschen, die mit dem Aufkleber überhaupt nichts anfangen können, hier meine Theorie. Es gibt ja neben dem großen FC Bayern München (bekannte Fußballmannschaft in der Landeshauptstadt) noch einen zweiten Münchner Verein, den TSV 1860 München. Die Bayern-Fans können die 60er Fans nicht leiden (andersrum ist es – Überraschung – genauso…). Also hat ein Scherzkeks (Bayern-Fan) überlegt, wie man die feindlichen Fans (die 60er) am besten ärgern kann, und ist auf dieses Schenkelklopfer-Motiv gekommen. Erklärung: Hätte man den Löwen 1859 eingesperrt, hätte sich der TSV 1860 München ein Jahr später – mangels Wappentier – nicht gründen können, und die Bayern-Fans hätten weit und breit nichts, worüber sie sich ärgern müssten (außer über Hopp und den DFB, versteht sich). Muss man erst einmal drauf kommen. Dafür hat sich der Erfinder bestimmt feiern lassen. Aber was macht so ein Aufkleber auf einem Verkehrsschild am Neumarkter Stadtplatz? Ich würde dem Neumarkter Bayern-Fan-Club empfehlen, mal am oberen Tor vorbeizuschauen, um den Aufkleber wieder zu entfernen. Der Weg lohnt sich, denn vier Meter weiter (auf der anderen Seite des Tores) wurde gleich ein zweites Verkehrsschild verschandelt. Aber diesen Aufkleber jetzt auch noch zu erklären, führt zu weit. Da haut’s uns knappe 50 Jahre zurück.

200301-südkurve

27.02.2020, Interessante Botschaften

Linkes Bild: NA219 – zuerst dachte ich an eine Chemikalie. Irgendein Natrium in besonderer Form. Aber Spaß beiseite. Da steht er da so rum, der Verfasser, kann den Bahnübergang nicht überqueren, weil da grade ein Zug kommt und denkt, dann schmier ich auch einmal. Was mag uns der Schriftzug sagen? Der Verfasser kennt gleich mehrere Nazis. Und das persönlich. Er hat an ihnen geschnuffelt und siehe da: Sie stinken. Und diese bahnbrechende Info muss man dann auf einem Geländer verewigen. Wirklich eine Klasse-Idee.

Rechtes Bild: Mit dieser Schmiererei liegt er im Trend. Dafür gibt es ein dickes Lob. Das gleicht die Ordnungswidrigkeit des Beschmierens öffentlichen Eigentums sofort wieder aus. Den Verfasser würde ich trotzdem mal gerne fragen, was er persönlich tut, um Flüchtlingen in Neumarkt das Leben zu erleichtern. Bitte zum konstruktiven Gespräch melden. Aber ich kann die Antwort vorwegnehmen. Er tut nichts dafür. Denn nur Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.

27.02.2020, Zeitung wächst heute wieder über sich hinaus

Auf der Lokalseite werden heute die Jug-Wähler ins Café Windhag eingeladen. Na dann viel Spaß. Aber mal ehrlich. Stehen die Macher der Zeitung so unter Druck, dass nicht einmal mehr ein Korrekturlesen möglich ist? Ein intelligentes Rechtschreibprogramm würde auch schon so einiges an Fehlern finden. Die Nachlässigkeiten im Schriftbild sind sehr fragwürdig.

26.02.2020, Lokalseite: Nachtfaschingsumzug: Alkohol floss in Strömen

Neumarkt präsentierte sich am Montag als Spiegelbild der Gesellschaft. Irre viel Müll am Volksfestplatz, sechs Alkoholvergiftungen, Aggressivität gegen Einsatzkräfte, drei Körperverletzungen, darunter ein Faustschlag gegen eine weibliche Begleitperson, Fahren unter Alkoholeinfluss. Und Falschgeld wurde auch noch in Umlauf gebracht. Na bravo. Die meisten Vergehen haben mit Alkohol zu tun. Da fühle ich mich ein wenig einsam mit meiner Entscheidung im Jahre 1995 aber auch bestätigt, die Aufnahme von Zellgift für immer zu unterlassen.

19.02.2020, Messerattacke in Neumarkt – ohne Messer

Wenn ein Beitrag – wie heute in der Lokalseite – mit „Messerattacke“ überschrieben ist, dann wird der einfach strukturierte Leser sicherlich glauben, dass bei einer Messerattacke ein Messer im Spiel ist. Deshalb habe ich den Beitrag heute mal ganz genau studiert. Ein Messer kam nicht vor, das Messer entpuppt sich im Beitrag dann auch als Schere. Aber jetzt mal der Reihe nach. Am 26. Juni 2019 verletzt ein 27-jähriger Mariuhana kiffender Eritreer einen 30-jährigen mit Drogen dealenden, mehrfach vorbestraften, Kasachen auf offener Straße. Jetzt hat der Prozess begonnen, gegen den Scherenbenutzer, nicht gegen den Drogendealer. Die Pointe kommt dann am Ende des Beitrages. Beide entschuldigen sich beim jeweils anderen für ihre Taten. Das rührt uns Neumarkter wirklich zu Tränen. Wir verstehen das voll umfänglich. Da trinkt man gemeinsam oft Bier, hat täglichen Kontakt zueinander, spricht von „Freundschaft“. Das Leben in Neumarkt hätte so schön sein können, und dann passiert so etwas. Nur weil der Eritreer den Kamm mit der Schere verwechselt, trug der arme Drogendealer mehr als 20 Einzelverletzungen davon. Jetzt plagen ihn Kopfschmerzen, Taubheitsgefühle, Schlaflosigkeit, Angstzustände. Das könnte für unsere Gesundheitssystem teuer werden. Aber da ist er eisern, da möchte er unseren Sozialsystemen nicht auf der Tasche liegen. In Behandlung geht er nicht. Aber, wie die Entschuldigungen der beiden anschaulich verdeutlichen, schweißt das Schicksal natürlich zusammen. Hoffentlich hat der Richter ein Einsehen und belässt es bei einer Bewährungsstrafe. Sonst wäre das Leben des Kasachen ja noch härter: Einen Freund weniger, einen Saufkumpan weniger, einen Kunden weniger. Man mag sich das gar nicht vorstellen. Aber über eine Sache muss dann doch noch gesprochen werden. Einen Kasachen auf offener Straße als Nazischwein zu beschimpfen, das geht gar nicht. Da gibt es Gerichtsurteile in Deutschland, die eindeutig regeln, wer als Nazischweine und Nazischlampen betitelt werden darf. Da muss der Eritreer noch mal einen Grundkurs in Demokratie verpasst bekommen. Das wurde bei seinem Asylanerkennungsverfahren offensichtlich übersehen. Aber mit den Deutschkenntnissen, das hat sich scheinbar eingeschliffen. Im emotional erregten Zustand fehlerfrei „Ich bring dich um“ und „Du Nazischwein“ sagen zu können, das zeugt von der maximalen Bereitschaft, Deutsch lernen zu wollen. Am 3. und 10. März sind in Traunstein die nächsten Verhandlungstage.

24.01.2020, Wertstoffhof ist ein Segen

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, was man alles an unserem Wertstoffhof abgeben kann, und das ist eigentlich alles. Nur völlig Verblödete laden ihren Unrat noch bei den Glascontainern ab oder vergraben ihren Schrott im Wald. Denn einfacher geht die Entsorgung wirklich nicht. Es gibt in Deutschland Gegenden, da muss man schon mal zwei Euro mitbringen, um sein Zeugel loszuwerden. In Neumarkt ist alles kostenlos. Der ganze Neumarkter Wertstoffhof: Erstklassig.